Reisebericht von Heinz-Dieter Heibach

Überführungstörn auf der KAIRÓS Portimao/PT – Valencia/ESP

Wer hätte das gedacht!!! Als ich meine Frau Barbara im Oktober 2025 mit leuchtenden Augen eine Broschüre von Sailing-Classics studieren sah, ahnte ich noch nicht, dass wir schon wenig später einen Überführungstörn mit der KAIRÓS buchen würden. Doch der Reihe nach. Für uns zwei Fahrtensegler mit unserer kleinen ETAP 23iL war es eigentlich gar nicht vorstellbar, einmal auf einem großen Zweimaster mitfahren und dort selbst Hand anlegen zu dürfen. Nach einem kurzfristig mit Frau Sturm im Stuttgarter Vertriebsbüro anberaumten Informationstermin stand für uns fest: Diesen Törn werden wir angehen und so fieberten wir dem Beginn der Reise im Juni 2026 entgegen. Für uns stand das Segeln mit der KAIRÓS und weniger das Buchtentingeln im Fokus. Gerade einmal zehn Tage lagen zwischen dem Ende eines eigenen Törns und dem Abflug nach Portugal. Bei diesem Törn war ich zuvor einhand von Südholland über den englischen Kanal bis in die Südbretagne und dann weiter zusammen mit Barbara nochmal für einige Wochen auf der Biskaya gesegelt. Schon Tage vor ihrer Ankunft verfolgten wir die KAIRÓS über Vesselfinder auf Ihrem Weg von den Azoren hinüber nach Portimao. Die freudige Anspannung stieg.

Als wir die KAIRÓS dann das erste Mal in natura sahen, war die Vorfreude für den Check-in am Folgetag riesig.

Kapitän und Sailing-Classics CEO Seren Elgün begrüsste uns zehn Passagiere mit seiner siebenköpfigen Crew herzlich an Bord. Gleich am nächsten Morgen ging es nach einem kurzen Badestopp nahe Portimao weiter zum vorerst letzten Ankerstopp bei Faro. So blieb für die Gäste genügend Zeit sich an Bord einzurichten und mit der KAIRÓS vertraut zu werden. Denn der bevorstehende Nonstop-Törn Richtung Valencia würde uns in den ersten zwei Tagen auf See einiges abverlangen.

Vor der Straße von Gibraltar waren bis zu 47 kt Wind aus Ost angesagt. Auf der Kreuz Richtung Tarifa wurden später einmal sogar 50 kt auf dem Windmesser abgelesen. Schiff, Crew und natürlich auch die Gäste waren gefordert. Ich genoss es dabei jedoch, die KAIROS mit ihren 153 Tonnen durch bis zu 4 m hohe Wellen hoch am Wind steuern zu dürfen. Auf unserer kleinen ETAP war ich im englischen Kanal zuletzt auf raumen Wind mit bis zu 32 kt gesegelt. Dabei ist man auf diesem Boot den Elementen sehr viel näher. Kein Vergleich zum majestätischen Erleben auf der KAIRÓS. Zusammen mit Seren befuhr ich in der dritten Nacht die Straße von Gibraltar. Es gab relativ wenig Schiffsverkehr und das nächtliche Tanger sowie der Affenfelsen von Gibraltar leuchteten dabei fast mystisch vor dem dunklen Hintergrund der dahinter liegenden Berge. Nach den Strapazen auf dem Atlantik dann am Folgetag im Mittelmeer gefühlte Bedingungen wie auf einem Ententeich. Wir beobachteten Delfine sowie Thunfische und Barracudas beim Jagen, zwei Mondfische (Mola Mola) trieben an der Oberfläche und später mein persönliches Highlight, eine Schule von sechs Pilotwalen, die ich erst durch Ihren lauten Gesang wahrgenommen hatte. Diese besonderen Geschöpfe begleiteten uns ganz gemächlich für rund eine halbe Stunde. Freude pur!

Und dann immer wieder diese Sonnenuntergänge auf See. Ich liebe sie!!! Die Servicecrew umsorgte uns auch bei den schwierigsten Bedingungen hervorragend. Der Bordingenieur fand für das kleinste Problem eine schnelle Lösung und die Schiffsführung mit Kapitän, 1st Mate und Deckhand gaben nicht nur den Segelnovizen unter den Gästen stets ein sicheres Gefühl! In den verbleibenden Tagen cruisten wir, mit Unterbrechung von mehreren Badestopps mitten auf hoher See, bis nach Valencia, wo wir nach 711 NM ein Ankermanöver unter Segeln fuhren. Chapeau! Nach einer finalen Nacht vor Anker, lag am letzten Morgen ein bisschen Wehmut in der Luft. Beim Frühstück wurde nur leise gesprochen. Die Crew bereitete alles für unsere Abreise vor. In den letzten sieben Tagen waren wir – Crew und Gäste - eine Einheit auf Zeit geworden! Ich bin sehr zufrieden und glücklich darüber, dass ich die Stammcrew bei Schiffsführung und Manövern aktiv unterstützen durfte. Insbesondere die Wachen mit Kapitän Seren Elgün haben mich seemännisch und gerade bei der Führung eines Großseglers, ein ganzes Stück weiter gebracht.

Nachdem nicht nur unter der Besatzung beim Abschied Tränen geflossen waren, checkten wir aus und fuhren mit der zweiten Gruppe zum Hafen. Dort, von Land aus, schauten Barbara und ich uns gedankenversunken ein vorerst letztes Mal „unsere“ KAIRÓS an.